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Gedichtanalyse: Begriffe und Analysekategorien

Gedichtanalyse: Begriffe und Analysekategorien

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Lehrperson: Dorothea

Zusammenfassung

Gedichtanalyse: Begriffe und Analysekategorien

Das Wichtigste in Kürze

Texte in der Gattung der Lyrik werden in der Regel als Gedichte bezeichnet. Dabei handelt es sich um kurze, poetische Texte in Versform. Wie Du vermutlich schon weisst, zeichnen sich Gedichte meist durch ein hohes Mass an Struktur und rhetorischen Stilmitteln aus (vgl. Lektion zu rhet. Figuren). Besonders die Klangelemente sind charakteristisch.


In dieser Zusammenfassung erfährst Du, wie man Gedichte – egal, welche Untergattung – unter Bezugnahme auf ihre inhaltlichen und sprachlichen Besonderheiten richtig analysiert. In anderen Worten: Es geht darum, wie Du Antworten auf die Fragen finden kannst, was im Gedicht geschildert wird (Inhalt) und wie es geschildert wird (Sprache und Struktur). 



Info 1: Inhalt (Was?)

Häufig wird in einem Gedicht nichts erzählt, sondern geschildert. Starte Deine Gedichtanalyse damit, dass Du das Gedicht ein paarmal liest und Dir Gedanken und Notizen über das Was machst, also den Inhalt des Gedichts.


Zeit

Wird das Geschilderte zeitlich kontextualisiert? Wenn ja, wie genau? Mit Zeitwörtern oder mit verschiedenen Zeitformen von Verben? Welche Wirkung hat die zeitliche Komponente?


Ort

Welcher Ort bzw. welche Orte werden geschildert? Ein Zimmer, ein Wald oder ein Land? Wodurch zeichnen sich die Räume aus? Wie sind sie miteinander verbunden? Gibt es einen Gegensatz von einem Unten und Oben oder von einem Hier und einem Da? 


Stimmung

Die Stimmung setzt sich aus äusseren Eindrücken (Bsp. Dämmerung) und/oder inneren Zuständen (Bsp. Ferienstimmung) zusammen. Man kann sich fragen: Welche Stimmungen werden im Gedicht beschrieben? Stimmen die äusseren und inneren Stimmungen überein?


Figuren

Wer kommt alles vor? Wer spricht, ein Ich (=lyrisches Ich) oder ein aussenstehender Beobachter? Wird jemand angesprochen und wenn ja, wer? Ein Freund, eine Geliebte, Gott, die Leserschaft oder das lyrische Ich selbst? Wie sind das Subjekt und die Adressatin bzw. der Adressat charakterisiert? Wer steht im Fokus?


Es gibt eine Vielzahl von sprachlichen Mitteln, die auf mögliche Personen (Subjekte und Adressaten) im Gedicht verweisen: Pronomina, Imperative, Wunsch- und Fragesätze. 


Hinweis:

Das lyrische Ich darf nicht mit der Autorin bzw. dem Autor gleichgesetzt werden. Es wird von ihr oder ihm erfunden, auch wenn es manchmal anders scheint.



Info 2: Sprache und Struktur (Wie?)

Neben der Frage nach dem Was (Inhalt/Handlung) ist in Gedichtanalysen auch die Frage nach dem Wie sehr wichtig: Wie ist das Gedicht strukturiert? Welche sprachlich-stilistischen Mittel werden verwendet und wie wirken sie? Im zweiten Teil der Analyse solltest Du nun die Antworten dazu finden und die Wirkung der im Gedicht verwendeten Struktur und Stilmittel herausarbeiten. Hierbei solltest Du einige Fachbegriffe kennen und verwenden.


Tipp:

In der Gedichtanalyse gibt es viele Dinge, worauf man achten kann, und auch viele Fach-begriffe. Lerne vor allem diejenigen Stilmittel und Fachbegriffe, von denen Du in der Schule schon mal gehört hast und die Dir in der Analyse etwas bringen.


Vers

Gedichte sind – mit wenigen Ausnahmen – in Versen geschrieben und als solche in Strophen gegliedert. Verse sind vereinfacht gesagt kürzere Zeilen. In manchen Gedichten folgen sie einem sogenannten „Metrum“. Ausserdem kann es sein, dass einzelne Verse miteinander verbunden sind, zum Beispiel durch Endreime oder Enjambements.


ZEILENSTIL

In einem Gedicht bzw. einer Strophe im Zeilenstil enden Sätze jeweils am Versende; pro Vers findet sich ein kurzer Satz. Dies wirkt sich so aus, dass man beim Vorlesen am Zeilenende automatisch pausiert.

ENJAMBEMENT

Wenn ein Satz über eine Verszeile hinausgeht und Satz- und Vers-ende also nicht zusammenfallen, nennt man das „Enjambement“ (=Zeilensprung). Das Gedicht erhält dadurch meist Tempo/Unruhe. 

VERSFUSS

Mit Versfuss ist eine Abfolge von betonten und unbetonten Silben gemeint (=Hebungen und Senkungen). In der deutschen Lyrik wurden vor allem drei Versfüsse verwendet.

Es gibt den Jambus (unbetonte, betonte Silbe; Bsp. Ver-lust), den Trochäus (betonte, unbetonte Silbe; Bsp. Tie-fe) und den tänzeri-schen Daktylus (betonte, unbetonte, unbetonte; Bsp. Ach-ter-bahn“). 


Hinweis:

In dieser Zusammenfassung sind die Hebungen mit Unterstreichung markiert. Wenn man von Hand schreibt, sind kleine Striche nach rechts (´) oder liegende Striche (–) meist praktischer. Für die Senkungen schreibt man dann Striche nach links bzw. kleine Bögen (u).


Beispiel  „Lethe“ von C. F. Meyer

Jüngst im Traume sah ich auf den Fluten

einen Nachen ohne Ruder ziehn, 

Strom und Himmel stand in matten Gluten

Wie bei Tages Nahen oder Fliehn


Analyse des Verses

„Es lässt sich feststellen, dass sich zwischen der ersten und der zweiten Verszeile ein Enjambement findet: Das Objekt des Satzes kommt erst im zweiten Vers. Auch zwischen dem dritten und vierten Vers hat es ein Enjambement. So liest sich die Strophe mit Tempo und flüssig. Damit lässt sich eine Verbindung zum Inhalt der Strophe herstellen, zum Nachen, der auf den Fluten eines Flusses treibt. Mit Blick auf den Versfuss kann man sagen, dass alle Verse viele Trochäen haben: Traume, Fluten, Ruder.“



Metrum (=Versmass)

Wenn Versfüsse in einem Vers aneinandergereiht werden, ergibt sich daraus ein rhythmisches Muster, das als „Metrum“ bezeichnet wird. Grundsätzlich gilt: Wo Metren vor-liegen, werden sie meist über eine Strophe oder das ganze Gedicht (ungefähr) eingehalten.


RHYTHMUS

Das Metrum darf nicht mit dem Rhythmus eines Gedichts verwechselt werden. Der Rhythmus ist die natürliche Betonung eines Satzes, das Metrum besteht aus Versfüssen und ist im Grunde künstlich. 

TONBEUGUNG

Manchmal ist es so, dass das Metrum an einigen Stellen unregelmässig ist. In diesen Fällen spricht man von Tonbeugungen (=Akzentverschie-bungen). Man kann sich fragen, ob es vielleicht besondere Stellen sind.

FREIE VERSE

Verse, die kein Metrum haben, nennt man „freie Verse“ oder man spricht von „freien Rhythmen“. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren sie selten anzutreffen, in modernen Gedichten hingegen fast ausschliesslich.

Beispiel – „Der Totentanz“ von J. W. Goethe

Der Türmer, der schaut zu mitten der Nacht

Hinab auf die Gräber in Lage;

Der Mond, der hat alles ins Helle gebracht;

Der Kirchhof, er liegt wie am Tage.


Analyse des Metrums

„In Goethes ,Totentanz’ findet sich eine Aneinanderreihung von Daktylen, wobei einige Daktylen unvollständig sind (Bsp. schaut zu). An den Versanfängen gibt es Auftakte. Beim Metrum kann man von einem drei- und manchmal vierhebigen Daktylus sprechen. Weil der Daktylus eine tänzerische Wirkung hat, passt das zum Titel und Hauptthema des Gedichts.“


Klang

In lyrischen Texten werden viele Klangelemente verwendet. Am häufigsten sind der Vokalgleichklang und sich wiederholende Konsonanten.


ENDREIM

Wenn die Wörter von zwei oder mehr Versenden gleich oder ähnlich klingen, spricht man von einem „Endreim“. Häufig werden bei den Endreimen Muster (=Reimschemata) eingehalten. Es gibt den Paar-reim (aabb), den Kreuzreim (abab) und den umarmenden Reim (abba).

ASSONANZ

Von einer Assonanz spricht man dann, wenn in einem oder in mehre-ren Versen gleiche oder ähnliche Vokale vorliegen. Der Effekt beim Vorlesen ist ein Vokalgleichklang, ein sehr angenehmes Klangbild.

ALLITERATION

Von einer Alliteration (=Stabreim) spricht man in den Fällen, wenn aufeinanderfolgende Wörter mit denselben Konsonanten beginnen oder wenn ein Vers/eine Strophe allgemein viele gleich klingende Konsonanten hat.

Beispiel – „Der Panther“ von R. M. Rilke

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe                     a

so müd geworden, daß er nichts mehr hält.                  b

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe                             a

und hinter tausend Stäben keine Welt.                            b


Analyse des Klangs

„Die erste Strophe vom ,Panther‘ besteht aus vier Versen mit Endreimen. Das Reimschema ist abab – ein Kreuzreim. Ein weiterer Reim findet sich in der dritten Verszeile bei den zwei aufeinanderfolgenden Wörtern ,Stäbe‘ und ,gäbe‘. Die vielen Vokale „ü“ und „ä“ sind Asso-nanzen. Die sich wiederholenden Klangelemente produzieren ein eher monotones Klangbild, das zum Inhalt der Strophe passt. Da geht es um die Gefangenschaft eines Panthers.“


Lyrische Bilder

Neben der Versform, dem Metrum und dem Klang muss man in Gedichten auch die Wort-wahl analysieren. Nicht selten rufen Wörter bewusst Bilder, Stimmungen und Vorstellungen hervor. 


VERGLEICH

Ein Vergleich führt eine Sache aus, indem er ihr eine ähnliche Sache gegenüberstellt. Dabei werden meist die Vergleichswörter „wie“ oder „als ob“ verwendet.

Beispiel: „fest wie ein Baum stehen“

METAPHER

Mit Hilfe einer Metapher wird etwas stellvertretend mit einem Bild gesagt. Das Bild hat im weiteren Sinn eine Ähnlichkeit mit der Sache, die eigentlich gemeint ist.

Beispiel: „eine rosarote Brille tragen“ als Metapher für „verliebt sein“

SYMBOL

Anstatt der eigentlichen Worte wird in (lyrischen) Texten manchmal ein Zeichen verwendet, um etwas auszusagen – ein Symbol. Dabei ist speziell, dass es mit der eigentlichen Sache keine Ähnlichkeit hat. Man braucht Hintergrundwissen, um auf die Sache zu schliessen.

Beispiel: „Kreuz“ als Symbol für den Leidensweg Christi


Hinweis:

Dinge wie das Enjambement, Klangfiguren und lyrische Bilder zählen zu den rhetorischen Stilmitteln. In Gedichtanalysen sollte man auch nach anderen Stilmitteln Ausschau halten (vgl. Lektion zu rhet. Figuren).



Info 3: Das Gedicht als Ganzes

Du siehst, eine Gedichtanalyse umfasst viele Aspekte und kann je nach Gedicht sehr komplex sein. Deshalb ist es ratsam, das Gedicht als Ganzes nicht aus dem Blick zu verlieren.


AUFFÄLLIGKEITEN

Dies lässt sich zum Beispiel so umsetzen, dass man sich zuerst allgemeine Gedanken bezüglich des Inhalts (Was?) sowie der Sprache und Struktur (Wie?) macht, sich dann aber auf die grössten Auf-fälligkeiten konzentriert. Auffälligkeiten beziehungsweise ihr Sinn und Zweck zu untersuchen, ist nie falsch: Oft tragen sie massgeblich zur Wirkung und Bedeutung eines literarischen Texts bei. 


ZUSAMMENHÄNGE

Weiter kann es helfen, sich auf die Zusammenhänge zwischen den Elementen zu achten. Gibt es Stellen, wo der Inhalt und die Sprache/Struktur aufeinander Bezug nehmen? Hat ein Stilmittel zum Beispiel eine besondere (inhaltliche) Bedeutung? Du wirst sehen, dass solche Phänomene eigentlich sehr häufig und spannend sind. 




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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen dem Rhythmus und dem Metrum?

Was muss beachtet werden, wenn die Sprache und Struktur eines Gedichts untersucht werden?

Wie analysiert man den Inhalt eines Gedichts?

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