Kreislaufwirtschaft
Die wachsende Weltbevölkerung und veränderte Konsumgewohnheiten stellen uns vor grosse Herausforderungen im Ressourcenmanagement. Unsere vorherrschende lineare Wirtschaftsweise – Ressourcen entnehmen, Produkte herstellen, nutzen und dann entsorgen – belastet zunehmend unsere Ökosysteme und erschöpft rasch unsere natürlichen Ressourcen. Prognosen zufolge werden wir unter diesem System bis 2050 die Ressourcen von zwei Planeten benötigen, um unseren Lebensstandard beizubehalten. Ein Umdenken zu einer nachhaltigeren Ressourcennutzung ist daher zwingend notwendig.
Die Kreislaufwirtschaft bietet hier einen Ausweg und ist ein Schlüsselkonzept für die nachhaltige Entwicklung. Sie zielt darauf ab, den Verbrauch von nicht erneuerbaren Materialien zu reduzieren und den Wert von Produkten und Materialien im Wirtschaftssystem zu maximieren. Dieser Ansatz basiert auf mehreren so genannten R-Konzepten. Zusammen verfolgen sie das Ziel der Reduktion von eingesetzten Materialien, der Verlängerung der möglichen Nutzungsdauer von Produkten und Komponenten sowie der Rückgewinnung von Materialien am Ende der Lebenszeit. Sie sind entscheidend, um den Kreislauf von Produkten und Materialien zu schliessen und eine nachhaltige Nutzung zu gewährleisten. Die R-Konzepte sind:
- Refuse - Ablehnen: Produkte oder Ressourcen, die umweltschädlich sind oder nicht nachhaltig produziert werden, werden abgelehnt.
- Reduce - Reduzieren: Der Verbrauch von Materialien in der Herstellung wird verringert, was zu weniger Abfall führt.
- Reuse - Wiederverwenden: Produkte werden mehrmals für denselben Zweck benutzt.
- Repair - Reparieren: Durch Ausbesserungen und den Austausch von Teilen wird die Funktionalität von Produkten erhalten.
- Refurbish - Aufarbeiten: Produkte werden verbessert, um sie erneut verwenden zu können.
- Remanufacture - Wiederaufbereiten: Produkte werden so aufgearbeitet, dass sie ihre ursprüngliche Qualität wiedererlangen.
- Repurpose - Umnutzung: Bestehende Produkte werden für neue Zwecke verwendet.
- Recycle - Recyceln: Durch spezielle Verfahren werden Materialien zerkleinert und eingeschmolzen. Die ursprüngliche Produktform bleibt dabei nicht erhalten. Das resultierende Sekundärmaterial kann wieder in der Produktion verwendet werden, entweder für denselben Zweck oder für neue Anwendungen.
- Recover - Rückgewinnen: Nicht recycelbare Materialien werden verbrannt, um Energie zu gewinnen.
- Remine - Sekundärbergbau: Wertstoffe werden aus Abfällen, die bereits in Deponien gelagert sind, zurückgewonnen und in den Produktionskreislauf reintegriert.
Recycling
Recycling ist ein Bestandteil der Kreislaufwirtschaft und bezieht sich auf den Prozess der Sammlung und Verarbeitung von "Abfall" Materialien, um neue Produkte herzustellen. Dies hilft, die Nachfrage nach neuen, rohen Materialien zu verringern und die Umweltbelastung durch Abfallreduzierung zu reduzieren.
Recycling kann viele Formen annehmen, darunter das Recycling von Papier, Glas, Metall und Kunststoff. Jedes Material erfordert spezifische Verfahren zur Sammlung, Sortierung und Verarbeitung, um es effektiv in neue Produkte umzuwandeln. Die Effizienz und Wirksamkeit des Recyclings hängen von verschiedenen Faktoren ab, einschliesslich der Teilnahme der Öffentlichkeit, der Verfügbarkeit von Recyclinginfrastrukturen und der Entwicklung von Märkten für recycelte Materialien.
Sustainable Development Goals (SDG): 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung und SDG 13 Klimaschutz
Die Agenda 2030 der United Nations für nachhaltige Entwicklung umfasst 17 Ziele mit insgesamt 169 Unterzielen für nachhaltige Entwicklung. Diese Ziele sind ein globaler Aufruf zum Handeln, um Armut zu beenden, den Planeten zu schützen und sicherzustellen, dass alle Menschen Frieden und Wohlstand geniessen.
SDG 13 konzentriert sich auf die Notwendigkeit, unverzüglich Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner vielfältigen Auswirkungen zu ergreifen. Der Klimawandel bedroht sowohl die Lebensgrundlagen in weniger entwickelten Regionen als auch Infrastruktur und Wirtschaftssektoren in fortgeschrittenen Ländern durch veränderte Niederschlags- und Temperaturmuster, wobei gleichzeitig die CO2-Emissionen weltweit signifikant steigen. Ziel 13 ruft Staaten auf, Klimaschutzmassnahmen in ihre nationalen Strategien zu integrieren und internationale Unterstützung und Kooperation, insbesondere durch das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, zu verstärken. Es beinhaltet spezifische Forderungen:
- Stärkung der Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit: Alle Länder sollen ihre Fähigkeit stärken, auf klimabedingte Gefahren und Naturkatastrophen zu reagieren.
- Integration von Klimaschutzmassnahmen: Klimaschutz soll in nationale Politiken, Strategien und Planungen integriert werden.
- Aufbau von Wissen und Kapazitäten: Bildung und Sensibilisierung zum Thema Klimaschutz und Anpassung sowie die Verbesserung der Fähigkeiten von Menschen und Institutionen sind essenziell.
- Umsetzung des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen: Die von den Industrieländern eingegangenen Verpflichtungen, bis 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Unterstützung der Entwicklungsländer zu mobilisieren, sollen erfüllt werden.
- Förderung von Planungs- und Managementkapazitäten: Besonders in den am wenigsten entwickelten Ländern und kleinen Inselentwicklungsländern sollen Kapazitäten für eine effektive klimabezogene Planung und Management gefördert werden, wobei ein Schwerpunkt auf Frauen, Jugend und marginalisierte Gemeinschaften gelegt wird.