«Zahn- und Mundgesundheit» geprüft von
In dieser Lektion lernst Du chronologisch, wie die Menschen angefangen haben, sich um ihre Oralhygiene zu kümmern und wie es sich von den ersten Versuchen, die Zähne zu schützen und zu heilen bis zu unserem heutigen Mundhygienesystem mit Zahnbürste und Zahnpasta entwickelt hat.
Die Oralhygiene gehört fest zu unserem Alltag - sie wird uns bereits im Kindesalter beigebracht und ist von unserem modernen Leben im 21. Jahrhundert nicht wegzudenken. Doch selbst wenn das Zähneputzen nicht wie eine revolutionäre Erfindung wirkt und das Basiswissen Rund um das Thema Zahngesundheit keine Hexerei zu sein scheint, haben sie die Menschheit in dieser Form nicht von Anfang an begleitet. Welche unserer Artgenossen zum ersten Mal auf diese Ideen kamen und wie sie umgesetzt wurden, ist genau so vielfältig wie die Kulturen und Epochen in denen sich mit einem strahlenden Lächeln befasst wurde.
Die ersten etablierten Mundhygienepraktiken kamen aus Mesopotamien wo die erste Zivilisation und Hochkultur im Gebiet der heutigen Türkei, Syrien und Irak entstand. Dort entwickelte sich um etwa 3.500 vor Christus die sumerische Kultur, welche zusätzlich zu den heute vielen alltäglichen Sachen auch die ersten Zahnpflegemethoden hervorbrachte.
Auch die alten Ägypter verwendeten vor 5000 Jahren ähnliche Methoden, um frisch und gesund zu bleiben, doch sie fügten noch etwas hinzu – womöglich die früheste Vorgängerin der modernen Zahnbürste.
Auch im Römischen Reich und im antiken Griechenland um ca. 500 v. - 500 n.Chr. hatte man eigene Oralhygienetechniken entwickelt, die derjenigen der Sumerer sehr ähnelten. Interessant ist hierbei vor allem, dass sie nicht nur aus hygienischen oder gesundheitlichen Gründen ihre Zähne pflegten, sondern auch auf ästhetische Resultate abzielten. Für sie war ein strahlendes Lächeln mit hellen Zähnen ein Zeichen von Gesundheit und Attraktivität. Sie nutzten eine Methode, die uns heute eher befremdlich erscheint: menschlichen Urin.
Urin enthält Ammoniak, das eine aufhellende Wirkung hat und auch in einigen modernen Reinigungsmitteln verwendet wird. Die Römer verwendeten Ammoniak also als natürlichen Zahnaufheller und zur Reinigung von Zähnen, da es effektiv Verfärbungen und Ablagerungen entfernen konnte. Der Urin, der in speziellen Behältern gesammelt wurde, wurde dann entweder direkt auf die Zähne aufgetragen oder als Mundspülung genutzt, so berichtet der römische Dichter Catull, der scherzhaft erwähnte, dass die Römer spanischen Urin für besonders weißere Zähne bevorzugten.
Die erste Zahnbürste mit Borsten wurde im 15. Jahrhundert in China erfunden und bestand aus den Borsten von Schweinen, die an einem Griff aus Bambus oder Knochen befestigt waren. Schweineborsten eigneten sich besonders gut, da sie in kälteren Klimazonen steifer blieben und somit die Zähne gründlicher reinigen konnten. Die Borstenzahnbürste erfüllte dort also ihren Zweck, jedoch hatte sie aus Sicht der Europäer noch Verbesserungspotential, da sie zu hart für das Zahnfleisch war.
Die Zahnpflege im Mittelalter (500-1500) war geprägt von natürlichen Mitteln, Volksweisheiten und einfachen mechanischen Techniken. Obwohl das Verständnis für die Notwendigkeit von Zahnpflege vorhanden war, gab es wenig Wissen über Bakterien oder die wissenschaftlichen Grundlagen der Kariesbekämpfung. Da Zahnextraktionen oft die einzige Option waren, um starke Zahnschmerzen zu lindern, waren Barbiere und Bader auch für die Zahnbehandlung zuständig. Sie zogen schmerzende Zähne ohne moderne Schmerzmittel, was äußerst schmerzhaft war. Im Mittelalter glaubte man ebenfalls an das Konzept des „Zahnwurms“, ein mythischer Wurm, der im Zahn lebte und Schmerzen verursachte. Dieser Aberglaube war weit verbreitet und führte zu skurrilen Behandlungsmethoden, die darauf abzielten, den Wurm zu vertreiben. Weiter gab es im Vergleich zu den früheren Kulturen einen erheblichen Unterschied zwischen den Gesellschaftsschichten, denn Mundhygiene war vor allem Sache der Oberschicht. Man könnte also sehr repräsentativ für diese Zeit zusammenfassen, dass der Fortschritt auch in diesem Bereich bestenfalls stagniert, schlimmstenfalls sogar zurückgegangen ist.
Doch nach der Dunkelheit und der Karies kam das Licht im Jahre 1780 mit Herrn William Addis, dem Erfinder der modernen Zahnbürste wie wir sie kennen. Addis war der erste, der die Borstenzahnbürste in einem industriellen Massstab fertigte. Der Griff bestand aus Knochen, und die Borsten waren zunächst weiterhin Tierhaare, meist von Schweinen. Der Legende nach kam Addis auf die Idee, eine Zahnbürste zu entwickeln, als er wegen eines Vergehens im Gefängnis saß. Er bohrte kleine Löcher in ein Stück Knochen, das er als Griff verwendete, und zog Schweineborsten durch die Löcher, die er dann mit Kleber fixierte.
Ein weiterer bedeutender Durchbruch in der Zahnbürstentechnologie erfolgte im Jahr 1938, als eine amerikanische Firma die erste Zahnbürste mit synthetischen Nylonborsten auf den Markt brachte. Nylonborsten waren hygienischer, langlebiger und angenehmer als Tierhaare und revolutionierten die Zahnbürste, wie wir sie heute kennen.
Im darauffolgenden Jahrhundert begann die Entwicklung der Zahnpasta, die unserer heutigen ähnelt. Den Anfang machte der amerikanische Zahnarzt Dr. Peabody, der 1824 Seife in Zahnpulver mischte, um die Reinigungskraft zu verbessern. In den 1850er Jahren kam Kreide als weiterer Bestandteil hinzu, da sie eine sanft scheuernde Wirkung hatte. Dieser einfache Mix legte den Grundstein für die moderne Zahnpasta. 1873 wurde schließlich die erste kommerziell hergestellte Zahnpasta in Glasgefäßen auf den Markt gebracht und 1892 erfand Dr. Washington Sheffield die Zahnpasta-Tube, die eine hygienischere und praktischere Anwendung ermöglichte, woraufhin um 1908 die Massenproduktion von Zahnpasta in Tuben begann.
Im 20. Jahrhundert wurde ein weiterer entscheidender Fortschritt gemacht: Die Vorteile von Fluorid für die Kariesprävention wurden erkannt und 1955 brachte man die erste Fluorid-Zahnpasta auf den Markt. Diese Zahnpasta war wissenschaftlich getestet und zeigte eine hohe Wirksamkeit im Schutz gegen Karies.
Mit diesem wertvollen Wissen, das sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat, kann man heute verschiedenen Bedürfnissen entsprechende Oralhygieneprodukte herstellen und gezielt Probleme vorbeugen und behandeln. Zusammenfassend ist also das morgendliche Zähneputzen bahnbrechender und interessanter als gedacht, wenn man bedenkt, dass unsere Vorfahren Urinmundspülungen und Zahnziehungen beim Barbier überstehen mussten…
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Die ersten Zahnpflegemethoden gehen uns circa 5500 Jahre zurück.
Da die moderne Zahnpflege eine relativ neue Erfidnung ist, hat man davor zu natürlichen Methoden zurückgegriffen, wie z.B. Ästen und Kräuter.
Die Zahnbürste, wie Du sie kennst, wurde erst im 20. Jahrhundert auf den Markt gebracht.
Die Mesopotamier haben die ersten Methoden zur Zahnpflege entwickelt.
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