Neben der gymnasialen Maturität gibt es noch andere Wege, die Dir ein Studium an der Universität ermöglichen. Doch was bedeutet es eigentlich, eine (gymnasiale) Matura zu haben? Was kannst Du nach einer Matura machen? Was wird bei einer Maturitätsprüfung geprüft?
Dieser Beitrag befasst sich mit der
Bedeutung einer gymnasialen Maturität, den Möglichkeiten, die ein solches
Maturitätszeugnis bietet und der
Zusammensetzung der Maturaprüfung.
Mehr Informationen zu den Bildungswegen in der Schweiz findest Du in den Artikeln
Unterschiedliche Wege an die Uni und
BMS, FMS, Passerelle.
Was bedeutet die Matura?
Der Begriff
Matura stammt aus dem Lateinischen und bedeutet
Reife. Mit anderen Worten: Die Matura ist eine Art
Reifeprüfung und bezeichnet in der Schweiz den
höchsten Schulabschluss. Sie ist weltweit einzigartig, denn sie ermöglicht den prüfungsfreien
Zugang (mit Ausnahme des Medizinstudiums und des Studiums an der ZHdK) zu einer
kantonalen oder eidgenössischen Universität und ist in der ganzen Schweiz anerkannt.
Auch das Maturitätsanerkennungsreglement (MAR/MAV) geht auf den Aspekt der Reife ein: «Die Schülerinnen und Schüler gelangen zu jener
persönlichen Reife, die Voraussetzung für ein Hochschulstudium ist und die sie auf anspruchsvolle Aufgaben in der Gesellschaft vorbereitet.» (MAR/MAV, 1995, Art. 5). Mit der Maturität erlangen die Schüler*innen also nicht nur die allgemeine
Studierfähigkeit, die Hochschulreife, den Abschluss, der zum Studium an einer
Universität oder an einer anderen Hochschule berechtigt, sondern auch eine vertiefte
Gesellschaftsreife, ein
Bewusstsein für die (politischen) Pflichten und Aufgaben jedes*r Einzelnen in einer Gesellschaft, damit eine solche funktioniert.
Im Vergleich zu Deutschland (51 % erhalten ein Abitur (≈ gymnasiale Maturität)) oder Frankreich (87 % erhalten ein Baccalauréat (≈ gymnasiale Maturität)), gibt es in der Schweiz relativ wenige junge Menschen, die diesen Abschluss erwerben. Knapp 42 % der jungen Erwachsenen erlangen einen Maturitätsabschluss, davon 22 % eine gymnasiale Maturität, 16 % eine Berufsmaturität und ca. 4 % eine Fachmaturität.
Was muss erfüllt sein, um eine Matura zu erhalten?
Was musst Du tun, um eine
Matura zu erlangen? Welche Fächer werden geprüft? Um das Maturitätszeugnis zu erhalten, werden in der Regel mindestens
fünf Maturitätsfächer schriftlich geprüft. Zusätzlich müssen allerdings je nach Kanton auch mündliche Prüfungen abgelegt werden. Die folgenden Fächer werden geprüft:
- die Erstsprache
- eine zweite Landessprache
- Mathematik
- das Schwerpunktfach
- ein weiteres Fach – durch den jeweiligen Kanton entschieden
Neben diesen fünf Fächern können auch andere Fächer geprüft werden. Dies hängt vom jeweiligen Kanton ab.
Das
Maturitätszeugnis setzt sich letztendlich zusammen aus:
- den Noten der geprüften Fächern (je 50 % aus den Leistungen der Maturitätsprüfungen und aus den Leistungen im letzten Ausbildungsjahr),
- den Noten des letzten Ausbildungsjahres der restlichen Fächer,
- der Maturaarbeit, wobei der Arbeitsprozess, die schriftliche Arbeit und die mündliche Präsentation bewertet wird.
Grundsätzlich werden nur halbe Noten vergeben (6, 5.5, 5, 4.5, 4, 3.5, 3, 2.5, 2, 1.5, 1), wobei 6 die beste Note ist und 1 die schlechteste. Eine 4 bedeutet genügend. Die
Matura gilt als bestanden, wenn in den Maturitätsfächern
- die Notenabweichungen von 4 nach unten durch alle Notenabweichungen von 4 nach oben doppelt kompensiert werden können. (Hast Du in einem Fach eine 3.5, musst Du beispielsweise in einem anderen Fach eine 5 haben, damit Du die Notenabweichungen zwischen 3.5 und 4, also 0.5, doppelt kompensieren kannst.)
- nicht mehr als vier Noten unter 4 erteilt wurden.
Die Maturitätsprüfung kann zweimal versucht, also
einmal wiederholt werden.
Was tun nach dem Erhalt des Maturitätszeugnis?
Da die Maturität den höchsten Schulabschluss in der Schweiz darstellt, stehen Dir damit
(fast) alle Türen offen. Neben dem
Studium an einer Hochschule werden Deine
Berufschancen gesteigert. Mit einer Matura kannst Du zum Beispiel eine
verkürzte Lehre beginnen,
Praktika und Weiterbildungen absolvieren oder beruflich einen kompletten Neustart wagen.
Ausserdem kannst Du nach dem Abitur ein
Zwischenjahr einlegen, um Dich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren, Deinen Berufswunsch zu klären, Berufserfahrung zu sammeln, die Welt zu bereisen, ein
Sprachdiplom zu erwerben, als Au-Pair zu arbeiten, Work & Travel auszuprobieren usw.
Du siehst, mit einer Matura eröffnen sich Dir verschiedenste Möglichkeiten.
Quellen:
Fedlex,
Verordnung über die Annerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen: Maturitäts-Annerkennungsverordnung (MAV), 1995 (Revision 2018). (20.12.2022).
Bundesamt für Statistik,
Sekundarstufe II: Maturitätsquote, 2022. (19.12.2022)